(c) Andrea Wagner
 

Tuchweben

Hier kommt Anna - Weben am Trittwebstuhl

Tücher zu weben war einer meiner Wünsche zum Experimentieren und im November 2007 hatte ich erstmals ausgiebig Gelegenheit, auf dem Weberinnentreffen bei Marled mit einem Trittwebstuhl auf Tuchfühlung zu gehen.

Auf dem Treffen lernten wir die einzelnen Schritte kennen, wie man einen Webstuhl aufbäumt und Stoffe webt. Diese möchte ich hier nicht wiederholen, da es dazu bessere Seiten gibt. Nur in Kürze: es waren verdammt viele Schritte und es gab wirklich viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen oder zu vergessen und somit ein Gewebe zu versaubeuteln. Kein Vergleich zum harmlosen Brettchenweben.

Da ich keinen solchen Trittwebstuhl besaß und solch ein Teil nebe immenser Kosten auch einen gewissen Platz braucht, habe ich nie in Erwägung gezogen, wirklich mal bei mir zuhause ein Tuch zu weben.
Aber: es gab einen Kircher-Gatterkamm-Webrahmen, der auf unserem Speicher herumlag und den ich bereits auf dem Treffen auf Vollständigkeit und Tauglichkeit überprüft hatte. Hinzu kam eine Anleitung für das gute Stück von Marled. Einfache grobe Leinwandbindung wäre also möglich. Aber meine freie Zeit war 2007/2008 mehr als knapp bemessen und so wanderte der Rahmen zurück auf den Speicher.

Im November 2008 zum zweiten Weberinnentreffen im Hunsrück sah die Sache schon anders aus... Ich hatte wieder Zeit - mehr als mir lieb war - und wollte nochmal testen, was ich denn so aus dem Vorjahr noch behalten hatte. In diesem Jahr hatte Marled ein paar mehr Webstühle herumstehen. Sowohl mit Tritten als auch mit Handhebeln. Und das Weben juckte mich immer noch und außerdem hatte ich Aussicht auf einen gebrauchten Webstuhl...

Wieder zuhause, versuchte ich mich in der Vorweihnachtszeit an dem Gatterkammwebrahmen und hatte tatsächlich Erfolg. Etwas getrübt durch eine heftige Erkältung gepaart mit Rückenschmerzen musste ich eine Zwangspause einlegen, aber nach den Weihnachtstagen hatte ich mein erstes Tuch gewebt. Aus diesem wurden die oben abgebildeten Gegenstände.

Im Februar konnte ich dann günstig einen kleinen zerlegbaren Webstuhl nebst Zubehör ergattern. Ein altes Modell von Glimakra: Anna, der Reisewebstuhl. Das gute Stück passt noch gerade so in mein Arbeitszimmer und lässt sich zerlegen und somit auch transportieren. Auch darauf entstand im März 2009 ein langer Probeschal im Rosengang. Nicht schön, äußerst grob, aber ich bin irre stolz darauf.

  

Nun kann ich meine eigenen Stoffe weben und auch in dieser Hinsicht kreativ sein. Wie oft ich tuchweben werde, kann ich noch nicht sagen. Es wird definitiv nie den Stellenwert der Bandweberei einnehmen, weil die Materialkosten doch deutlich höher liegen. Aber ich kann nun außergewöhnliche Stoffe - vielleicht auch irgendwann nach archäologischenVorbildern - für unsere Darstellung herstellen. Ein angedachtes Projekt sind selbstgewebte Beinwickel.

Den Gewichtwebstuhl möchte ich trotzdem nicht aus den Augen verlieren, aber hinsichtlich des doch komfortableren Webens am Trittwebstuhl gebe ich meiner Anna den Vorrang.

Für das Tuchweben empfehle ich neben einigen guten Büchern in jedem Fall den Besuch eines Kurses oder Workshops! Ein Webstuhl hat viele Bauteile und einige müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit das Werkstück gut wird. Dies lässt sich am besten in der Praxis beobachten und durchführen. Außerdem ist dann auch gleich jemand dabei, der Fragen beantworten kann.

Hiermit möchte ich mich auch noch einmal bei Marled bedanken, die uns nicht nur geduldig an das Weben herangeführt hat, sondern uns Materialien und ihre Webstühle zur Verfügung gestellt hat.